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Mitteldeutsche Autorinnen


Dokumentation

AMELIA – Newsletter der Autorinnenvereinigung e.V. – Mai 2009

www.autorinnenvereinigung.de
Die Autorinnenvereinigung ist das erste und einzige Netzwerk für Schriftstellerinnen und Autorinnen aller Genres, die in deutscher Sprache schreiben und publizieren.

Liebe Autorinnen,

es ist zwar noch eine Weile hin, aber ein Eintrag in den Kalender heute sichert rege Beteiligung im Oktober. Deshalb schon mal vormerken: Am Samstag den 3. Oktober, findet von 10 bis 15 Uhr in Essen die jährliche Mitgliederversammlung der AV statt.
Im Vorfeld unseres Treffens gibt es die Möglichkeit, am Freitag, den 2. Oktober, sich mit einem Text im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Poesie und Radikalität weiblichen Schreibens“ vorzustellen. Bei Interesse bitte unter dem Titel „Wortsammlerinnen“ bei Elisabeth.Roters-Ulrich@Stadt-Gladbeck.de oder jmonikaWalther@aol.com – dafür bewerben.

Der Juni ist ja der so genannte Wonnemonat und wir Autorinnen von der Redaktion hoffen natürlich, dass es für die Leserinnen eine Wonne ist, den Juni-Newsletter zu lesen. Viel Interessantes haben wir zusammengetragen. Neben jeder Menge spannender Termine einen Rückblick von Barbara Yutdas über einen Abend mit Alma Larsen, zwei Buchrezensionen Bärbel Kläsner „der zugang ist gelegt – Gedichte und Fließtexte“, Grit Scholz „Das Tor ins Leben“. Johanne Jacobian erinnert in dieser Ausgabe an die Wortspielerin Mascha Kaleko.

Einen sonnigen Juni mit fetten Käfern, Lebensgenuss pur in deutschen Biergärten und Schreibschübe bis Mitternacht wünscht die Redaktion.

Sylvia Tornau
redaktion@autorinnenvereinigung.de

Inhalt

1. Neues aus der Autorinnenvereinigung
2. Termine
3. Rezensionen
4. Verlosung
5. Neuerscheinungen
6. Bedrohte Autorinnen
7. Zum Schluss


1. Neues aus der Autorinnenvereinigung

Ein Abend mit Alma Larsen / ein Rückblick von Barbara Yurtdas

In der kleinen, aber ständig wachsenden AV-Gruppe der Münchner und oberbayerischen Autorinnen befragte Barbara Yurtdas am 6. Mai die Lyrikerin Alma Larsen zu ihrem Schaffen. Dass sie in der Kindheit Verse von Wilhelm Busch auswendig lernte, kann nicht der einzige Grund dafür sein, dass Alma später Tiergedichte schrieb, die sich gelegentlich sogar reimten. Sie verwendet ihre Sprachbilder und Formen stets bewusst, oft in ironischer Brechung und Mehrdeutigkeit. Die vorgelesenen Beispiele waren teilweise so komplex, dass die Zuhörerinnen um Wiederholung baten, um den „Witz“ der knappen Kunstwerke zu kapieren.
Vielfach hat Alma Larsen mit anderen Künstlerinnen und Künstlern zusammengearbeitet, zum Beispiel mit Merve Lowin (1937-1992). Indem sie einander Texte wie Bälle zuwarfen, entstand die „Poetische Diagonale“ Doppel Stier Gymnastik Hach!, ein umfänglicher Text, den die beiden Verfasserinnen auch in einer Performance aufführten. Ein anderes Projekt war die Zusammenarbeit mit der Malerin Rita de Muynck, deren von moderner Musik inspirierten Bilder Alma wiederum zu Gedichten anregten.
Umgekehrt wurden Almas Gedichte von modernen Komponistinnen vertont, etwa von Gertrud Firnkäs und Helga Pogatscha. Ein Beispiel war an jenem Abend von Barbaras altersschwachem CD-Player zu hören.

Alma Larsen schafft in letzter Zeit gerne ganze Gedichtzyklen, die es ihr ermöglichen, ein Thema oder Motiv vielgestaltiger anzugehen als im Einzelgedicht. Zudem arbeitet sie an der Fertigstellung ihres ersten und einzigen Romans, den sie als Collage bezeichnet.
Der Abend gab den anwesenden Autorinnen der AV anregende Einblicke in die Arbeit einer vielseitigen Wortkünstlerin, die sich auch gerne befragen ließ.

Vernetzung nun auch im Netz / von Sylvia Tornau

Nach den ersten Treffen der mitteldeutschen Autorinnen unter dem Dach der Autorinnenvereinigung war schnell klar, dass die Aktivitäten sich nicht auf die vereinbarten vier regulären Treffen in der Frauenkultur Leipzig beschränken sollen. Geplant werden neben Workshops – z.B. am 22.04.2009 ein Projekttag zum kreativen Schreiben im Künstlergut Prösitz, der Wortschmiede für Prosa und Lyrik im September 2009 – im zweiten Halbjahr 2009 auch Lesungen. Die genauen Termine stehen noch nicht fest, aber sicher ist, dass die erste Lesung in der Frauenbibliothek MONAliesA in Leipzig stattfindet. Darüber hinaus sind die Mitteldeutschen Autorinnen jetzt auch im www zu finden unter www.mitteldeutsche-autorinnen.de. Wer Interesse hat mitzuwirken, kann sich gern auf diesen Seiten informieren und mit uns in Verbindung setzen.

2. Termine

Münchner Autorinnentreffen

Was: Ein Abend zum Thema „Schreiben und Recht“ mit Sandra Uschtrin
Wann: 3. Juni, Beginn 19 Uhr
Wo: FAM – Frauenakademie München, Auenstraße 31, Nähe Baldeplatz

Sonstiges: Wer mag, darf wieder ein Getränk oder Knabberzeug mitbringen oder sich mit einem Obolus beteiligen.

Mitteldeutsches Autorinnentreffen

Was: Projekttag im Künstlergut Prösitz zum Thema „Kreativ Schreiben“ mit Grit Scholz
Wann: 27.06.09 (Treffen 9 Uhr auf dem Parkplatz vor dem Völkerschlachtdenkmal)
Kosten: Beteiligung an den Benzinkosten der Autofahrerinnen und für Verpflegung
Anmeldung unter: sylvia@mitteldeutsche-autorinnen.de
Anmeldeschluss: 20.06.

Sonstiges: „Kreativ Schreiben heißt für mich – den kreativen Impuls zu fühlen, ihn frei zu lassen und gleichzeitig mit dem zu verbinden, was Worte hat, was logisch denken kann.
Einfach gesagt, unsere beiden Gehirnhälften unabhängig voneinander und doch miteinander zu benutzen.“ (Grit Scholz)

Autorinnenvereinigung in Bayern

Was: Sommerworkshop 2009 unter der Leitung von Ute Hacker
Wann: 14. – 16. August 2009
Wo: Frauenakademie München, Auenstr. 31, 80469 München
Zielgruppe: Autorinnen der AV , gern auch Gäste, sofern noch Plätze frei sind. Max. 15 Teilnehmerinnen.

Sonstiges: Praxisseminar zur Auflösung von Schreibblockaden, zu Methoden der Ideenfindung und -umsetzung, verbunden mit professionellem Sprechtraining für mehr Sicherheit in Lesungen und Vorträgen.

Autorinnenvereinigung e.V. und das Literaturbüro Ruhr e.V.

Was: Poesie und Radikalität weiblichen Schreibens – 4. Lesefest
Wann: 2. Oktober 2009, 17 bis 19 Uhr offene Werkstatt – Wortsammlerinnen; 20 – 22 Uhr – Grenzgängerinnen
Wo: im Bürgermeisterhaus Essen Werden, Heckstrasse 105

Sonstiges: das Lesefest 2009 möchte verschiedene Grenzbereiche ausleuchten, in denen Schriftstellerinnen arbeiten – Offenheit als Charakterzug der globalisierten Gesellschaft, Konflikte aus dem Aufeinandertreffen unterschiedlicher, oft gegensätzlicher Lebensentwürfe sind Themen, die Frauen in besonderem Maß betreffen können und die sie in verschiedenen Genres kritisch, sprachkritisch und literarisch ausgestalten.
Eintritt: 12/8 Euro

Einladung zum Workshop „Am Anfang war das Wort“ mit Stefanie Jerz

Hatten Sie schon immer vor:
– Tagebuch zu schreiben?
– anfallende Arbeiten planvoll zu meistern?
– Ihren eigenen roten Faden aufzunehmen?
– eine Sprache für Ihre Emotionen zu entwickeln?
– sich mit Ihrer eigenen Lebensgeschichte zu befassen?

Möchten Sie Anregung für den Einstieg?

Aus den Arbeitsbereichen Kreatives Schreiben und Biografie entwickelt, vermittelt er Ihnen in fünf kompakten Einheiten praktische und alltagstaugliche Kenntnisse und Übungen, die Sie befähigen können, die ordnende Kraft des selbst geschriebenen Wortes zu nutzen.

Für diesen Workshop sind ausgefeilte Rechtschreibung, Vortragskunst oder Literaturkenntnisse nicht erforderlich. Verfasste Texte sind geschützter Raum und werden nicht vorgelesen.

Stefanie Jerz ist Autorin, Co-Leiterin eines Theaterprojekts, Hausfrau, Ehefrau und Mutter von drei Kindern.
Täglich probt sie den spannenden Spagat zwischen diesen Berufsbildern und Lebensentwürfen. Was ihr darin stetig Kraft verleiht, ist das Aufschreiben und Bearbeiten ihrer Gedanken, Eindrücke, Aufgaben, Sorgen und Freuden in ihrem Alltag.
So schlägt sie schon einmal mit der lyrischen Faust leise auf den Tisch, klagt dem Tagebuch ihre geheimste Sehnsucht, schreibt Briefe, die sie nicht versenden muss, macht Haushaltslisten zur Organisation einer ganzen Woche und entwirft in Kurzgeschichten Welten, die sie niemals betreten wird.
„Alles nur Worte“, könnte man sagen. Aber durch diese Worte definiert sie ihr Leben und es erschließt sich für sie ganz praktischer Nutzen sowie eine große Kraft zum Handeln. Gerne möchte sie diese Kraft weiter geben.

Nähere Informationen unter www.stefaniejerz.de oder Tel: 0203-7184229

3. Rezensionen

„Der zugang ist gelegt – gedichte & fließtexte“ von Bärbel Klässner

rezensiert von Sylvia Tornau

Der Titel „Der zugang ist gelegt“ von Bärbel Klässner ließe sich auch übersetzen als ein Willkommen im Leben. Das hier beschriebene Leben ist mal bunt, mal grau, mal blau, violett, türkis, blutrot. Mal ist es neblig, mal macht es Pickel. Vor allem macht es nicht halt. Vor keinem Thema scheut diese wortzersetzende, fabulierwütige Autorin zurück. Mal mit Humor und mal mit Wehmut, aber immer mit der lustvollen Wortgewalt einer Vollblutlyrikerin zwingt Bärbel Klässner die LeserInnen ihr zu folgen. Augenzwinkernd und mit Worten prügelnd lockt sie uns ins fette Leben. Ohne Scheu verkleinert sie „Europa“ auf Weimar und das Ruhrgebiet („Europa“) und beschreibt im Kleinen die Fallen der großen Politik. Ganz ohne Augenwischerei. Schamlos pinkelt sie in Marktlücken („Über die armutsgrenze“) und lässt bei einem „Ausfall ins land“ die Landmenschen trinken
„wie die kutscher wie
überlebte
eben trinken.“

Die Autorin Bärbel Klässner wandelt im wahren Leben wie in ihren Texten auf den Seitenstraßen der Wahrnehmung. Sie ist eine Grenzgängerin, die Grenzen nicht akzeptiert. Die 1960 in Magdeburg (DDR) Geborene, zog 2003 von Weimar nach Essen.
Die Autorin ist Weltenbürgerin und Liebende, ist eine Vermittlerin zwischen Ost und West. Sie bricht noch immer mit ihren Texten Löcher in Mauern, wo doch längst keine Mauern mehr sichtbar sind. Ihre Texte sind so einfühlsam und sensibel, wie sie frech und humorvoll und so zerstörerisch wie sie schöpferisch sind. Zerstörerisch, weil sie eingefahrene Denk- und Sprachmuster sprengen. Schöpferisch, weil sie aus den Resten, den Splittern und Sammelstücken Neues erstehen lässt.
Beispielhaft hierfür ein Zitat aus dem Text „Frauen schreiben/nicht/anders“?

“ – ich bin das von drei kritikern in nadelanzug in der luft zerrissene debütgedicht ich selbst bin natürlich das lyrische ich dass Sie das bitte nicht verwechseln ich rufe niemals an ich bin das aus dem brockhaus gefallene gepresste verblasste mauerblümchen aufgewachsen neben dem arkordeon am knochenpark unter der fuchtel von zwanzig geboten eingerattert ins salatgeräusch ich bin nicht bei trost vermeiden Sie mich ob lyrisch prosaisch oder archaisch ich kollabiere gewöhnlich um die abendzeit zwischen wetterbericht und vertagungsthema meine synapsen sind blinklichter im datenverkehr sie regeln den stau zwischen abbild und abbild Sie wollen doch nicht wirklich irgendwas erkennen – “

Bärbel Klässner (ver)führt uns mit ihrem neuen Lyrikband in eine Welt, die auch die unsere ist. Doch die Welt der Autorin ist geprägt von ihren Beobachtungen und von ihrer Lust „die Sprache durch mich selbst [zu] ersetzen“ („Worte meine ersten lieben“). Dieses „Selbst“ zu lesen ist ein Hochgenuss für alle Wortbalancierer und Sprachfetichisten. Es ist die reine, ursprüngliche Poesie und nicht zuletzt deswegen lädt sie die geneigte Leserin ein zu atemraubenden lauten Gelächter.

Die Lyrik der Bärbel Klässner ist erfrischend anders, auch oder gerade weil es Lyrik vom Feinsten ist. Unbedingt Lesenswert!

Bärbel Klässner „Der zugang ist gelegt“ gedichte & fließtexte. ERATA Literaturverlag, Leipzig 2008, Euro: 13,95.

„Das Tor ins Leben“ von Grit Scholz

rezensiert von Sylvia Tornau

Dieser Bildband durchbricht mit brachialer Schönheit die Schamgrenzen der Betrachterin. In ganzseitigen Farbaufnahmen, in Collagen eingebettet oder einfach ganz nackt präsentiert uns die Verlegerin und Autorin Grit Scholz das weibliche Geschlecht. Nicht die Frau als solche steht im Mittelpunkt, sondern das Organ, mit dessen bloßer Existenz eine lange Geschichte des Schweigens verbunden ist: die Vulva, die Möse, die Scheide oder auch die Yoni. Letzteres ist das Wort, für welches sich die Autorin entschieden hat.

„Ich habe das Wort Yoni gewählt, weil es mir persönlich am sympathischsten ist und eine alte Tradition hat, in der weibliche Genitalien als heilig verehrt werden, woran ich gerne so oft es geht erinnern möchte.“

Egal welcher Mensch auf Erden lebte und lebt, unbekannt oder berühmt, berüchtigt oder verehrt, uns alle verbindet das Eine: der Weg ins Leben durch das Tor der Mutter. Ob Höhle oder Schmetterling, Baum, Pils oder vertrocknetes Blatt, die Gegenüberstellung der in ihrer Ausprägung so unterschiedlichen Yonis mit berührenden Naturaufnahmen macht nicht zuletzt den Reiz dieses wundervollen Bildbandes aus.

Erschreckend ist dieses Buch, denn das uralte gesellschaftlich geprägte Schamgefühl wirkt auch heute noch in der ach so emanzipierten Rezensentin, die durchaus schon den einen oder anderen Blick auf das eigene Geschlecht und das ihrer Freundinnen werfen durfte. Ich musste das Buch nach dem ersten Durchblättern zur Seite legen, zu fremd war, was ich sah. Trotz allem Wissen um Funktionalität und mögliche Lustbarkeit dieses Organs ? so von Angesicht zu Yoni, stieg mir die Scham in den Kopf. Es dauerte ein paar Tage, bis ich das Buch wieder in die Hände nahm und irritiert staunend darin blätterte. Noch länger dauerte es, bis ich bei einem netten Abend im Kreis von Freundinnen das Buch aus dem Regal zog und wir uns kichernd über die VielFÄLTIGkeit dieses uns eigenen Gewächses beugten.

Dieses Buch ist eine Hommage an ein Organ, welches wir selten in der Öffentlichkeit besprechen und über welches wir noch seltener miteinander sprechen, obwohl oder weil es uns nicht ganz geheuer ist, dass auch wir, die Yoni-Trägerinnen, uns einst durch eines dieser Tore ins Leben schoben.

Ein einzigartiges Buch voller Schönheit und Poesie, mit 8-sprachigem Vorwort in Deutsch, Englisch, Französisch, Polnisch, Russisch, Spanisch, Türkisch, Italienisch. Auf jeden Fall geeignet zum Verschenken und für die, die sich trauen, ein kleiner Schatz im eigenen Buchregal.

Das Tor ins Leben, Grit Scholz, 25 x 25 cm, 252 Seiten, Hardcover, Euro: 39,50
Das Tor ins Leben, Grit Scholz, 12,5 x 12,5 cm, 152 Seiten, Softcover, Euro: 16,50
Lebensgut Verlag Leipzig
Bestellungen über www.lebensgut-verlag.de

4. Verlosung

Wir verlosen jeweils ein Exemplar

„Der zugang ist gelegt“ von Bärbel Klässner und „Das Tor ins Leben“ von Grit Scholz.

Es gewinnen die beiden schönsten Erklärungen dafür, warum der Juni im Volksmund als Wonnemonat bezeichnet wird. Ob als Gedicht oder Fließtext, bitte maximal 1500 Zeichen.
Die Auswahl findet innerhalb der Redaktion statt und die Gewinnertexte werden in der nächsten Amelia veröffentlicht.

Gewinnerin der Mai-Verlosung „Montagsnächte“ ist Pe Jacobi, Hamburg

5. Neuerscheinungen

„Plus Minus Null – Was von der Arbeit übrig bleibt“ von Sonja Ruf (Hg.)

Das dieser Anthologie zugrunde liegende Thema ist, wie der Untertitel schon impliziert, das Thema Arbeit. 23 AutorInnen präsentieren erlebte und zu Kurzgeschichten komprimierte Einblicke in unterschiedliche Arbeitswelten. Sie berichten von Mobbing und Qualitätsmanagement, von Kaffeepausen und der Angst vor dem Zuviel, aber auch von den wiederkehrenden Freuden und Kümmernissen des Berufsalltages.

„Wie es sich in einem Hospiz arbeitet, wie risikoreich ein Antiquitätenhändler zu seiner Ware gelangt, was einen Klempner mit einem Seelenklempner verbindet oder wie gefährlich für das Gemüt es sein kann, mit einer Bankangestellten verheiratet zu sein. (?) Wer kann sich schon auf seinem Arbeitsplatz noch sicher fühlen? Flexibilität ist gefragt.“ (Klappentext)

Die Leipziger Autorin Sylvia Tornau ist in dieser Anthologie mit der Kurzgeschichte „Auf der Kippe“ vertreten, eine Geschichte zum Thema Burnout in der Sozialarbeit.

„Plus Minus Null“ von Sonja Ruf (Hg.), FHL-Verlag Leipzig Erschienen Mai 2009, Euro: 12,95

6. Bedrohte Autorinnen / von Johanne Jakobian

Mascha Kaléko, 7. 6. 1907 – 21. 1. 1975

„Ich habe solche Sehnsucht nach dem Einen, den es, genau besehen, niemals gab.“

Weibliche Perspektive und federleichte Sprache, das große Gefühl und seine Resignation vor der Wirklichkeit: Zwei Zeilen, die nur von Kaléko sein können, im Berliner Ton der 20er-Jahre. Hier findet sie zur Literatur, löst Kästner als Modelyriker ab, und begeistert mit ihrem „lyrischen Stenogrammheft“ Kritik und Publikum. Das dritte Reich stoppt die kaum begonnene Karriere. In der Emigration (1938 New York, 1960 Jerusalem) verstummt sie und wird erst in den letzten Lebensmonaten, als Witwe, wieder produktiv.
1960 lehnte sie den Fontane-Preis ab, weil ein SS-Mitglied der Jury angehörte.

Zum 100. Geburtstag wagte kein Verlag eine Hardcover-Ausgabe. Lest sie! Ihr werdet sie lieben.

7. Zum Schluss

„Die einzige lukrative Art, mit Schreiben Geld zu verdienen, ist das Verfassen von Lösegeldforderungen.“

Kathy Lette

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