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Mitteldeutsche Autorinnen


Dokumentation

Amelia – Newsletter der Autorinnenvereinigung e.V. – März 2009

www.autorinnenvereinigung.de

Die Autorinnenvereinigung ist das erste und einzige Netzwerk für Schriftstellerinnen und Autorinnen aller Genres, die in deutscher Sprache schreiben und publizieren.

Liebe Autorinnen,
die Krise ist in aller Munde – und nun bekam sie auch die Autorinnenvereinigung zu spüren, denn die Gelder für das Autorinnenforum Berlin – Rheinsberg 2009 wurden nicht bewilligt, Wettbewerb, Forum, Deutscher Schriftstellerinnenpreis, Projektstipendien, alles musste abgesagt werden. Dazu mehr im Artikel „Autorinnenforum Berlin – Rheinsberg 2010“ von J. Monika Walther in diesem Newsletter.
Trotzdem wollen wir dieses Jahr sicht- und hörbar bleiben, die Autorinnenvereinigung und ihre Autorinnen weiter in die Öffentlichkeit bringen. Dazu entstand die Idee, das Motto des nun abgesagten Wettbewerbs „Am Rande des Abgrunds ist die Aussicht schöner“ aufzugreifen und damit in verschiedenen Städten Lesungen zu veranstalten. Wir hoffen, dass diese Idee bei den Autorinnentreffs der AV Anklang findet und mit und aus ihnen viele spannende, scharf hinguckende, abwechslungsreiche, herausfordernde, poetische, vielfältige Lesungen entstehen. Und wir freuen uns schon darauf, an dieser Stelle darüber zu berichten!

Alles Gute und beste Grüße aus der Redaktion

Maike Stein
redaktion@autorinnenvereinigung.de

Inhalt

1. Autorinnenforum Berlin – Rheinsberg 2010
2. Bedrohte Autorinnen
3. Treffen mitteldeutscher Autorinnen
4. Bookparade – ein Bericht aus der Schweiz
5. Neue Bücher
6. Termine
7. Zum Schluss1. Autorinnenforum Berlin – Rheinsberg 2010 / von J. Monika Walther
Am Rande des Abgrunds ist die Aussicht schöner  – diesen Blick können wir alle nun üben, falls wir ihn noch nicht gelernt haben.
Viele politische und ökonomische Szenarien gibt es im Augenblick dieser Krise, die keineswegs wie ein Ungewitter über die Länder gekommen ist, sondern sozusagen von langer Hand vorbereitet wurde – unter anderem von der Unvernunft, mit der wir so gerne leben.
Eine Folge, im Vergleich eine Winzigkeit, ist, dass bundesweit reihenweise Veranstaltungen, Projekte abgesagt werden müssen, weil der Bund sowieso, die Länder auch, die Stiftungen, die Staatskanzleien, die Städte drastisch weniger Geld zur Verfügung haben und nicht gefördert wird, wo und was nur geht.
Das geplante Forum für 2009, für das bereits sehr viel Vorbereitungsarbeit aufgebracht wurde, kann erst 2010 stattfinden, also auch die Wettbewerbe, also auch die Vergabe der Projektstipendien. Wir alle in der Autorinnenvereinigung e.V., im Organisationsteam werden bis zum Herbst genau überlegen müssen, wie wir uns weiter vernetzen und unsere Stärken nutzen können, was wir füreinander tun können, auch deshalb trifft das Team sich in Berlin am 20. und 21. Februar 2009. Und es finden bereits die ersten Gespräche statt mit denen, die das Projekt Autorinnenform Berlin – Rheinsberg 2010 fördern wollen und interessiert sind an unserer Arbeit.
Der erste Deutsche Schriftstellerinnenpreis wird ab 2010 von der Autorinnenvereinigung e.V. vergeben, wenn es gelingt alle zwei Jahre und in Berlin bei der Eröffnung des Forums.
Jedes Autorinnenforum ist einmalig – und es hat bereits Tradition. Einmalig, weil es das einzige Forum für deutschsprachige Autorinnen ist, das über Länder- und Genregrenzen hinweg Gelegenheit zur Präsentation, Qualifikation und Vernetzung bietet. Es hat Tradition, weil es bereits in den 90er Jahren entstanden ist und bis heute kontinuierlich weiter entwickelt wird.
Die Autorinnenvereinigung e.V. trägt 2009 eine ganze Reihe Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum. Wir sind Profis und Newcomer, die es wagen, Sprache und Erzählweisen neu zu setzen.
Auf der breiten Straße des realistischen Erzählens, der Preise, Podien und Proklamationen ziehen die Männer ihres Wegs; die Frauen haben sich oft genug zurückgezogen in Hamburger Dachstuben oder polnische Datschen, in dunkle Kinosäle oder Pariser Exilquartiere, in einsame, windgepeitschte Landhäuer oder Wiener Zettelberge. So entsteht eine Literatur, die die Welt begreift und durchdringt, denn diese Weltverlorenheit ist auf keinen Fall mit Weltlosigkeit zu verwechseln.
Brigitte Kronauer hat immer wieder betont, dass sie nicht die „Spiegelung der Wirklichkeit“, sondern die Literatur vor allem als „Gegenmaßnahme“ zur Wirklichkeit interessiert. Der Leser soll sich nicht am Äußeren des Lebens die Nase platt drücken wie an einem Schaufenster, sondern das Innere der Erscheinungen zu sehen, zu lesen bekommen. Wenn wir es jetzt noch lernen, uns konsequenter um zu vernetzen und die Öffentlichkeit auf unsere Belange aufmerksam zu machen “ mit Nachdruck “ ohne Proklamationen, dann lernen wir auch noch das fliegen. Warum nicht?

2. Bedrohte Autorinnen / von Johanne Jakobian

Marlen Haushofer: Todestag 21. März
Haushofer, 1920-1970, lebte als Zahnarztfrau in der österreichischen Kleinstadt Steyr. Sie erzählt leise, fast murmelnd, mit einem Hauch von Raunzen und einem Humor, der aus der Resignation kommt. Um die Meisterschaft ihrer Anfangssätze können wir sie beneiden.
Grundthema ihrer Texte ist die unheilbare Fremdheit zwischen den Menschen an sich und den Geschlechtern im Besonderen. Es ist nur konsequent, dass die Heldin ihres Erfolgsromans „Die Wand“, die als Einzige eine nicht erklärte Menschheitskatastrophe überlebt, ihr Leben unter Tieren nicht allein weiter fristet, sondern es sinnvoller findet als das vorherige, „normale“.
Als Einstieg empfohlen: „Das fünfte Jahr“. Die autobiographische Erzählung beschreibt ein kleines Mädchen unter lieben und guten Menschen, die es versorgen, aber in Trauer versteinert sind und geduldig den Tod erwarten. Der Lebensmut des Kindes wird erstickt; nur in der Natur erlebt es Wachstum und Leben. Schaurig. Lautlos.

3. Treffen mitteldeutscher Autorinnen
Wortschmiede für Lyrik und Kurzprosa
Der Wochenendworkshop ist ein besonderes, künftig (nach einer Pause im vergangenen Jahr) im Rahmen der Treffen mitteldeutscher Autorinnen wieder jährlich geplantes Event für schreibende Frauen. Ein ganzes Wochenende Zeit für sich und die eigenen Texte nehmen, aus dem Alltag aussteigen und ganz bei sich und dem geschriebenen Wort sein können, das hat sich als Konzept in den letzten Jahren bewährt und wird vor allem von den Frauen dankend angenommen, die organisatorische Schwierigkeiten haben, zu regelmäßigen Treffen zu erscheinen. Die Teilnehmerinnen erwartet eine intensive Zeit des Miteinanders und der Beschäftigung auch mal mit längeren Texten. Die Leitung für den Bereich Kurzprosa übernimmt Anna Kaleri www.annakaleri.de und für den Bereich Lyrik Marion Pelny www.marionpelny.de. Das Treffen findet in der Denkmalschmiede Höfgen www.hoefgen.de in der Zeit vom 18.09. bis 20.09.2009 s tatt. Anmeldungen bis zum 18.04.2009 unter sylvia@tatmoor.de

4. Bookparade – ein Bericht aus der Schweiz
Okay, ein Tausendfüssler kann bis zu 700 Beine haben und ist eine durchaus imposante Erscheinung, wenn er sich seinen Weg durch die Dschungelblätter bahnt…  – aber das sind wir auch, wenn wir „200, 300 und mehr “ schreibende und lesende Frauen und Männer und Kinder gemeinsam durch die Strassen ziehen und laut aus Büchern vorlesen!
Am 23. April 2009, dem UNESCO Welttage des Buches, ist es wieder so weit:
Die Zürcher Bookparade tatzelt rezitierend durch Zürichs Strassen! Und trägt damit die Literatur in den öffentlichen Raum.
Demonstrieren für lebendige Literatur!
Eine farbenfrohe und klangvolle Demo für das intelligenteste Medium der Welt! Menschen aller Sprachen und Kulturen nehmen ihr Lieblingsbuch und marschieren als laut lesender „Bücherwurm“ durch die Innenstadt!
Auf der Route finden Kurzlesungen und Slams statt und abends dann ein grosses Buch- und Lesefest im Schauspielhaus: Schweizer Autorinnen und Autoren lesen aus ihren jüngsten Werken. Der Eintritt ist gratis.
Programm Zürich:
17:30 Treffpunkt „Bookparade“ am Hirschenplatz (5 Min. vom HB)
17:45 Eröffnungsslam
18:00 Start des „lesenden Bücherwurms“ durch die Altstadt
19:30 Schlussdemo mit Lautgemurmel vor dem Kunsthaus
20:00 Lesefest im Schauspielhaus

Was ist die Bookparade?
Die Bookparade wurde vom Verein Bookparade im Jahr 2007 ins Leben gerufen und ist ein „lesender Bücherwurm“: Hunderte von Leserinnen und Leser und Autorinnen und Autoren marschieren mit ihren Lieblingsbüchern durch die Stadt. An mehreren Orten finden Lesungen statt – ein lebhafter, beweglicher Raum also, um Kontakte knüpfen, Neues zu erfahren und gleichzeitig die Literatur vom Wohnzimmer in die Öffentlichkeit zu tragen.
Das Lesefest im Schauspielhaus
Unmittelbar nach der Bookparade findet eine moderierte Lesung auf der grossen Bühne des Schauspielhauses Zürich statt. Rund 10 Autorinnen und Autoren, darunter auch Michèle Minelli von der Autorinnenvereinigung, treten auf; die meisten lesen aus Büchern, die neu erschienen sind. Damit ist der Anlass auch für Verlage und Buchhandlungen interessant.
Hohes Nachahmungspotential – unbedingt nutzen!
Bereits haben weitere Schweizer Städte die Idee übernommen: in Biel, Luzern und St. Gallen marschieren am 23. April jeweils ebenfalls laut Lesende durch die Innenstadt.
Und ja: je mehr Menschen an der Bookparade teilnehmen und mitlaufen, umso größer auch die Resonanz, die wir im Klangkörper des öffentlichen Raums hervorbringen können!
In diesem Sinne: schlagen Sie wieder mal ein Buch auf und paradieren Sie damit am besten durch den öffentlichen Raum!
Infos unter: www.bookparade.ch

5. Neue Bücher
Liebe Freundinnen und Freunde! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Es ist mal wieder soweit, ein neues Buch wird erscheinen. Erscheinungsdatum ist der 8. März, der Internationale Frauentag 2009
TRÄUME & FLÜGEL.
VIER ELEMENTE EINES NEUEN FEMINISMUS
herausgegeben von Anna Zrenner, im SophiaSirius Verlag – www.sophiasirius.net
vereint vier Essays, die als Vorträge für Symposien der IAPh (Internationale Assoziation von Philosophinnen) gehalten wurden. Die Idee dazu entstand in diesem Jahr in Korea.

Inhalt:
Bettina Schmitz: Feminismus als Balance. Der dritte Feminismus als ein Lehrstück im Umgang mit Unterschieden
Hyun-Kyoung Shin: Schamanengesang
Elisabeth Schäfer: Die Doppelte Geste des Schreibens – oder: Schreiben ist wie das Ankommen einer vollkommen unerwarteten Katze
Maria Isabel Pena Aguado: Das „Plath-Syndrom“ – oder: Warum intellektuelle Frauen keine Feigen essen
Das Besondere: die Essays sind alle zweisprachig auf Deutsch und Englisch

Silke Peters Lyrik-Band „Parnassia“
ist seit letztem Jahr gedruckt zu lesen beim Wiecker-Boten Greifswald und nun auch als virtuelles Buch im Internet zu sehen unter: www.wiecker-bote.com

6. Termine

04. März 2009, 20 Uhr, München
Labyrinth Literatur – alte Muster, neue Wege
Wie sind Leben und Arbeit für Schriftstellerinnen miteinander verbunden? Welche Rolle spielt der Literaturbetrieb mit seinen Hierarchien, Mechanismen, Machtstrukturen? Erfolgreiche Autorinnen als (fehlende) Vorbilder für berufliches Vorankommen, Familie und Beruf, Konkurrenz, Einsamkeit am Schreibtisch – und dann noch interessant, innovativ, kreativ arbeiten – wie geht das alles zusammen? Erfahrungen zeigen: Literatur ist ein schwieriges Arbeitsfeld, in dem es nicht leicht ist, dauerhaft zu bestehen.
In der Veranstaltung werden Petra Morsbach und Dr. Edda Ziegler erst jeweils ca. 20 Minuten aus aktuellen Publikationen lesen. Danach wird es im Gespräch um die oben genannten Fragen gehen, bzw. um Möglichkeiten, als Schriftstellerin mit den vielfältigen Anforderungen, die der Literaturbetrieb stellt, zurechtzukommen – allein oder im Austausch mit anderen.
Gäste: Petra Morsbach, Schriftstellerin, Dr. Edda Ziegler, Literaturwissenschaftlerin
Moderation: Ulrike Budde, Autorin
20 Uhr, Gasteig (Raum 0.117, Erdgeschoss), Eintritt: 8,00 Euro
Veranstalterinnen: Autorinnenvereinigung e.V., BücherFrauen e.V., München, Kulturreferat der LH München, Münchner Volkshochschule MVHS Fachbereich Literatur, Therese Literaturgesellschaft e.V.

Lesungen aus „Träume und Flügel – vier Elemente eines neuen Feminismus“ in Würzburg:
Freitag, 6. März 2009 – 19:30 Uhr
im bewegungs raum, Moltkestraße 7, 97082 Würzburg Buchpräsentation mit den Autorinnen – Eintritt: 10 Euro, Information und Kartenvorbestellung über die Webseite www.bewegungs-raum.de
oder telefonisch: 0931-26099304
Samstag, 7. März 2009 – ca. 15 Uhr
Signierstunde mit den Autorinnen in der Buchhandlung 13 œ in Würzburg, Eichhornstraße 13 œ – Eintritt frei
Tel.: 0931-4652211
Sonntag, 8. März 2009, Internationaler Frauentag – 14-16 Uhr
kleine Buchpräsentation mit Bluesmusik im Café KarmaX am Kardinal Faulhaber Platz 4 – gegenüber Theater; Eintritt: 10 Euro, inklusive Getränk (Prosecco, Kaffee)

6. März 2009 um 19.30 Uhr in der VILLA FALKENHORST, THÜRINGEN
Kunst ist – Sprache – ist Musik – ist Kunst
Eine Lesung von Franzobel & Erika Kronabitter in Zusammenarbeit mit dem Klanglabor (Arno Oehri, Marco Sele und Denise Kronabitter)
Das KLANGLABOR besteht im Kern aus einer Klangforscherin und zwei Klangforschern, die je nach Aufführung und Erfordernissen mit anderen MusikerInnen und/oder anderen KünstlerInnen zusammenarbeiten. Es agiert im Bereich der experimentellen Klangperformance in Zusammenhang mit multimedialen Auftritten sowie in konzertanten Aufführungen. Jegliche Art der Musik- und Klangerzeugung kann Bestandteil einer solchen Klangperformance sein.
Gemeinsam mit dem Schriftsteller Franzobel www.franzobel.at und der Schriftstellerin Erika Kronabitter www.kronabitter.com werden an diesem Abend die Grenzen und Verbindungen Musik und Sprache, von Wortklang und Geräusch ausgelotet und zu einer „Klang-Lesung“ verschmolzen.
www.klanglabor.li

Der singende Tresen
28. März, 12-15 Uhr im Rahmen einer Austellungseröffnung im Ziegeleipark Mildenberg (bei Zehdenick)
23. April 20.00 Uhr Augsburg, Cafe Sowieso, Konzert
25. April im Rahmen der „Trunkenen Tage“ des Salon Billa, Baden (Schweiz):
17 Uhr Lesung „Aus dem Dickicht“
20 Uhr Konzert „Der Singende Tresen“
Mehr über „Der singende Tresen“ und Manja Präkels ist zu erfahren unter:
www.myspace.com/dersingendetresen
www.manjapräkels.de

7. Zum Schluss
„Jeder, der fällt, hat Flügel.“
Ingeborg Bachmann

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